Wie ich Google immer mehr verfalle

Es ist schon sehr weit mit mir gekommen und es geht weiter bergab. Ob meiner anfänglichen und übrigens noch immer andauernden Abneigung gegen Google benutze ich immer mehr Dienste, die von dem Suchmaschinenriesen angeboten werden.

Vor langer, langer Zeit, kam ich zum ersten Mal in Kontakt mit Google – damals kannte ich Google noch nur als Suchmaschine und entsprechend benutzte ich es auch. Doch irgendwann kam mir die Idee, eine eigene Webseite aufzubauen und mir wurde bewusst, dass ich einen Google Account brauchte, um die Webmaster Tools verwenden zu können. Kurz darauf dachte ich, ich könnte Millionär mit werden, indem ich Werbung auf der Seite einbinde. Das einfachste war es, Google AdSense zu nehmen. Ich hatte mich superschnell registriert, und fing in großem Stil an, Geld zu verdienen – nach drei Monaten hatte ich bereits einen ganzen Euro auf dem AdSense Konto und war darauf stolz wie ein Pfau.

Ungefähr zeitgleich wurde ich auch auf Google Earth aufmerksam, welches mir sofort meinen Garten zeigen musste und was mich doch einige Zeit beschäftigt hat. Abgesehen von meinem Garten faszinierte ich meinen Vater, indem ich ihm seine Heimatstadt, Gomel auf dem Bildschirm präsentierte. Daraufhin zeigte ich meiner Mutter ihre und meine Heimatstadt, Odessa. Sie war davon allerdings nicht besonders begeistert, ich glaube selbst dafür war mein Vater mehr Feuer und Flamme.

Eine zeitlang darauf nahm ich keine weiteren Dienste von Google in Anspruch, bis ich eines Tages mit einem Preis bei idealo.de unzufrieden war. Ich wusste, dass Google bereits länger ebenfalls eine Preissuchmaschine betrieb und mit großem Widerwillen probierte ich sie aus, schließlich ging es um Geld. Und tatsächlich: Google’ s Preisroboter konnte mir tatsächlich sogar ein paar Zehner (wirklich einige, wenn nicht sogar mehrere!) wett machen und ich kaufte den Artikel (es war eine Casio Exilim z1200, die ich übrigens demnächst auch noch vorstellen werde, auch wenn sie schon einige Zeit in meinem Besitz ist). Auch Google Maps wird bei uns jedes Mal benutzt wenn es irgendwo hingeht, wo wir nicht alle Tage sind – ein Navigationssystem haben wir nämlich erst seit einigen Tagen (womit ich hoffe, wenigstens von dieser Anwendung loszukommen…).

Mein Computer ist nicht mehr der Jüngste und so habe ich immer mehr Probleme mit ihm (könnte eventuell aber auch daran liegen, dass ich mich penetrant weigere, ihn mal zu formatieren). Thunderbird, welches ich bis vor einem Monat als Feedreader im Einsatz gehabt habe, ließ sich zwar immer beenden, der Prozess lief aber fehlerhafterweise weiter. Aus Frust schmiss ich das Mozilla Programm runter (nicht zuletzt, weil mich Mozilla in letzter Zeit stark enttäuscht. Manch einer wird meinen nächsten Schritt erahnen können…) und startete den Google Feedreader.

Vor einer Woche startete ich dann endlich Google Chrome und setzte ihn als Standardbrowser fest, weil Firefox meinem armen Rechner nach 10 Minuten bereits 150-200 MB zumutete, woran ich mich in der Vergangenheit nicht erinnern kann – das muss wohl erst seit 3.5 und den Pre Releases liegen. Nicht, dass ich ihn vorher nicht schon lange gehabt hätte, aber ich benutzte ihn davor nur um die Anzeige in verschiedenen Browsern prüfen zu können, was einem als Webdesigner öfters von Nutzen ist (ich habe insgesamt eigentlich jeden erdenklichen Browser in mindestens 2 Versionen installiert). Ich bin also fair genug, um zu sagen, dass ich Google Chrome vor einer Woche noch nicht benutzt hab, obwohl er seit Anfang an installiert war und auch öfters geöffnet. Wie gesagt, das war vor einer Woche. Und mit der Entscheidung, Chrome zu benutzen registrierte ich auch gleich meinen Benutzernamen – dotwired – bei GMail. Nur für den Fall, dass ich es noch später gebrauchen könnte, damit der Username nicht weg ist.

Mein Leben heute mit Google

Wie sieht mein Leben heute mit Google aus? Fassen wir doch mal zusammen: Google liefert mir mit seiner Suchmaschine die Informationen, die ich brauche. Google ist die Zeitung, die mir mittels Feedreader meine täglichen “Anzeigen” und “Artikel” – im Grunde auch nichts anderes als Informationen – präsentiert. Google bestimmt mit seiner Preissuchmaschine, was und wo ich im Internet einkaufe. Google bestimmt mein Einkommen mit Google AdSense, welches heute übrigens inzwischen gar nicht mehr so lächerlich ist. Google serviert mir das Internet im Fenster seines Browsers und sammelt damit vermutlich – ob ich nun will oder nicht – Daten zu jedem einzelnen Porno, den ich schaue. In nicht mehr sehr entfernter Zeit wird bestimmt auch mein elektronischer Schriftverkehr von Google geprägt sein und ich weiß nicht, was Google Wave aus mir machen wird…

Man könnte meinen, ich mache hier groß Werbung für Google. Um ehrlich zu sein, bin ich gerade in diesem Moment, wo ich diesen Artikel schreibe, auf einem Teamspeak-Server mit einem guten Freund, der soeben wörtlich gesagt hat “Du warst früher mal voll der Google-Gegner, und heute… bist du ein Google-Arschkriecher!”.

Er hat gar nicht so Unrecht, es sieht zumindest stark danach aus. Meine Antwort auf seine Aussage lautete “Sympathie und Nutzen liegen nicht immer beisammen…”. Es ist mein absoluter Ernst, ich hasse Google auf den Tod. Nicht, weil es schlechte Produkte macht, nein. Weil Google alles andere als sympathisch ist, ich das Google-Logo täglich 25 Mal sehe, obwohl ich es nicht ausstehen kann und vor allem: weil Google viel zu mächtig ist. Wie weit ist es schon mit mir, dass Google jemanden derart an sich binden kann, der Google zutiefst verachtet und sich völlig darüber im Klaren darüber ist, wieviel Daten und Macht er Google über sich mit der Nutzung dieser Produkte gibt?

Im Ernst, sollte nicht irgendwo etwas passieren, bevor der lockere Spruch “Das Internet ist Google.” tatsächlich zur Realität wird?

Insgesamt 6 Reaktionen zu "Wie ich Google immer mehr verfalle"

6 Kommentare

  • Mac_BetH am 09/07/2009 um 15:34 Uhr:

    Hallo .wired,

    ich bin da genauso, aber leider bin ich auch über meinen Google Feedreader auf diesen Artikel aufmerksam geworden. Bei mir hat sich das im letzten Jahr mit dem Aufbau auch so schleichend ergeben.

    Ich weiß echt nicht wie es soweit kommen konnte? Aber gibt es Altenativen, z.B. für einen guten Feedreader anstelle von Google Reader? Nein!

    Also werde ich weiter von Google abhängig bleiben. ;-)

    Gruß

    Matthias

  • nastorseriessix am 09/07/2009 um 23:02 Uhr:

    Das einzige was ich noch von Google nutze ist die Suchmaschine, aber ansonsten nix mehr. Wozu auch, denn Google ist ätzend und eine Datenkrake wie es vorher keine gab. :?

  • .wired am 10/07/2009 um 12:12 Uhr:

    @Mac_BetH: eben das ist das Problem. Viele von Googles Produkten sind konkurrenzlos gut. Ich habe alle Feedreader ausprobiert, die mir unter die Finger gekommen sind, ehe ich mich schließlich etwas verkrampft zum Google Feedreader gegriffen hab…
    @NS6 ( ;) ): Ja, Google ist ätzend… und das mit der Datankrake ist der Grund, warum ich mir Sorgen mache…

  • Andy am 10/07/2009 um 22:27 Uhr:

    Ich hatte auch immer den Google Reader benutzt mus aber sagen, das mir der Feedreader echt sympatscher ist, obwohl man hier natürlich schon wieder etwas Installieren muss.

  • Hendrik am 16/07/2009 um 17:17 Uhr:

    Bei manchen Sachen kommt man um google nicht drum herum. Und die Zahl der Applikationen nimmt leider immer mehr zu.

    Vielleicht wird das Internet ja bald in das googlenet umbenannt ;)

    Doch eins weiß ich. Ich werde google auf keinen Fall auf meinen PC lassen. Also Chrome und das geplante Betriebssystem kommen nicht auf meinen Pc.

  • Horst am 29/08/2009 um 03:15 Uhr:

    Moin. Wenn Du dir Deinen PC neu installieren willst, such probier dir mal Windows for Legacy PCs zu organisieren. Ist ein XP, dass auf 450MhZ-Rechner ausgelegt ist. Ich bin damit sehr zufrieden bisher gewesen.

    Was Google angeht. Ich benutze inzwischen auch mehr und mehr Services. Am liebsten Googlemail. Vermutlich, weils Werbefrei ist und sich super mit meinen iPhone syncen lässt.

    Btw.: Super Blog! Grüße aus Kiel in meine Heimatstadt, in der ich 2007 mein Abitur gemacht habe.

    Gruß
    Horst

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