Werbeblocker – der Ruin der Werbeblogger?
Inspiriert durch einen Beitrag bei Basicthinking habe ich mir Gedanken zu Werbeblockern – der bekannteste dürfte AdBlock Plus sein – gemacht. Wie finanzieren sich Webseiten? Wie ist die Mentalität der Besucher gegenüber Werbung?
Ich denke, der erste Ansatzpunkt ist überhaupt die Rolle des Internetnutzers, also der Besucher. Seine Einstellung zur Werbung auf Internetseiten ist das entscheidende Kriterium über den “schleichenden Tod” von Internetseiten. Denn nur der Nutzer entscheidet, ob er einen Werbeblocker benutzt, und selbst wenn er ihn nicht benutzen sollte – ob er die Werbung wahrnimmt. Man muss also erst einmal überhaupt festlegen, was der Nutzer mit Werbung verbindet. Wie ich das sehe, ist das Wort “Werbung” für den Ottonormalbürger erst einmal ein negativ konnotiertes Wort, das bedeutet, dass dieser Mensch Werbung generell erst einmal ablehnt.
Dies geht im Internet mit dem bereits erwähnten Werbeblockern sehr einfach – und somit gibt es die höchst einfache Möglichkeit, Werbung generell auszublenden, aber dafür so ziemlich jedes Gedankengut kostenlos und ohne “Geben” für sich zu beanspruchen. Auf den ersten Blick ist solch ein Nutzer von Werbeblockern also ein ziemlich unsympathischer Mensch, welcher einfach egoistisch handelt, ohne darüber nachzudenken, wie sich eine Seite finanziert. Diese Sicht der Dinge werden mit Sicherheit auch viele andere – vor allem Werbetreibende und Webmaster – vertreten, auch auf den zweiten Blick hin.
Sie vergessen aber oft, wie es zu dieser Mentalität der Surfer gekommen ist und wie der Werbeblocker entstanden ist: bis zum Ende zugemüllte Seiten, die mit Layern aufwarteten, welche – anstatt sich beim Klick auf das X zu schließen – weitere Popups öffneten, blinkende Flashbanner mit dem Text “Sie sind der 999.999 Besucher und somit Gewinner der Bundeskanzlerwahl! Sie werden über Deutschland regieren, ganz bestimmt!” =( Natürlich ist das eine etwas überspitzte, ironische, wenn nicht zynische oder gar sarkastische Darstellung, aber im Endeffekt kommt es eben darauf zurück. Viele Publisher sind also bestimmt selbst Schuld daran, dass der Werbeblocker das Licht des Lebens erblickt hat und mit Sicherheit auch für etliche Downloads des selbigen. Dies gilt natürlich nur für das Gebiet Internet – wenn es für das Fernsehen einen Werbeblocker geben würde, würden mit Sicherheit Millionen Bürger selbst einen hohen monatlichen Beitrag zahlen, nur um diese Fernsehwerbung nicht mehr sehen zu müssen – denn dort gibt es nicht nur den Nervfaktor, sondern einen direkten Nachteil auf das Leben eines jeden Menschen: massiven Zeitverlust.
Nach der Installation bzw. der Aktivierung des eventuell bereits eingebauten Werbeblockers leiden nun aber auch seriöse Webmaster unter den Werbeblockern. Niemand kann jemanden dazu zwingen, auf Werbung zu klicken (na gut, man kann eventuell Freunde darum bitten. Aber man schafft es nie in so großem Stil, dass es sich lohnen würde), auf Werbung zu klicken, denn man kann den Willen eines Menschen nicht beeinflussen. Viele würden selbst bei einer öffentlichen Bitte auf einer Seite sagen “Jetzt erst recht nicht! Ich klicke, wenn es mir passt und lasse mir nichts vorschreiben!”, was auch durchaus gut ist (ganz zu schweigen davon, dass Google das niemals auch nur einen Tag lang tolerieren würde, und wer benutzt schon kein AdSense?). Aber zumindest den Werbeblocker auszuschalten, das ist doch etwas, was man fairerweise für guten Content verlangen kann, oder? Dabei könnte seriöse Werbung auch dem Internetnutzer Vorteile bringen: Vielleicht sieht findet er dadurch ein Schnäppchen oder ein Produkt, welches er schon lange gesucht hat? Man darf schließlich auch nicht vergessen, dass Werbung einfach nur erkaufte Aufmerksamkeit ist, um mehr Menschein auf das eigene Angebot aufmerksam zu machen. Das Angebot selbst wird in vielen Fällen genauso seriös und billig sein, wie bei IKEA
. Übrigens denken viele Menschen beim Ladenprospekt im ersten Moment gar nicht an Werbung, sondern viel eher an ein (meist kostenloses) Informationsprodukt und nehmen beim Hinausgehen aus dem Geschäft sogar von alleine diese Werbung von z.B. Aldi mit nach Hause. Und manche Menschen bezahlen sogar noch für Werbung (dicke Kataloge). Dabei ist das pure Werbung, bei manchen Unternehmen eher weniger als klassische blinkende Werbung zu erkennen (IKEA) und bei manchen eher mehr (PEARL). Man nimmt es nur nicht als solche wahr (“man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht”). Denn Werbung soll nur auf eigene Produkte aufmerksam machen und Menschen dazu animieren, diese dann zu kaufen. Man könnte Werbung also auch als “Produktinformation auf Fremdplattformen” bezeichnen, was kaum noch negativ konnotiert ist.
Den bei basicthinking erwähnten (erst einmal vorläufigen bzw. nur geplanten) Schritt des Entwicklers von AdBlock Plus, seriöse Webseiten vom Blocken der Werbung optional (was wieder am Nutzer hängen bleiben würde) zu entlasten, finde ich doch schon sehr gut, aber ich denke es wird an der Mentalität der meisten Internetnutzer scheitern – wer einen Werbeblocker hat, wird ihn auch entsprechend überall einsetzen. So denke ich auch, dass der Großteil der der Werbeblockernutzer auch im Moment einfach ein Abo eines Filters haben und folglich jegliche Werbung ohne Wenn und Aber blocken – wozu auch selektieren, das ist doch wieder Zeitverschwendung und macht nur Umstände. Der Mensch ist nun mal egoistisch und wird bestimmt nicht bei jeder Seite, die er besucht gesondert entscheiden, ob er sie zu seiner persönlichen Liste der geblockten Seiten hinzufügt oder nicht!
Worum es mir bei der ganzen Sache eigentlich geht ist, dass – da sich vorerst mit Sicherheit nichts Gravierendes zum Vorteil der Webmaster in der Werbeblockerindustrie bzw. der Internetuser ändern wird – der Einsatz dieser kleinen Browsererweiterungen vielen Menschen Schaden anrichtet – besonders kleineren Webmastern (und ihr ahnt es schon, Bezug zur Überschrift muss ich ja auch noch herstellen) und Bloggern tut es sehr weh. Große Portale haben es kaum nötig, auf Google AdSense oder ähnliches zu setzen. Bei Ihnen buchen Branchenriesen einfach Werbung, Werbeblocker hin oder her. Diese Werbung kann dann oftmals gar nicht geblockt werden, weil sie in Form eines redaktionell geschriebenen Artikels übermittelt wird. Und sehen wir es mal realistisch: Irgendwie muss doch alles finanziert werden – und im Internet ist es dem Surfer am einfachsten überhaupt, Werbung zu entgehen…
Übrigens habe ich hier auf meinem Blog einen wagemutigen Schritt (vorerst experimentell) gemacht, wer bei mir Werbung blockt (und bei mir ist sie nun wirklich dezent eingesetzt), bekommt einen unschönen kleinen Banner zu sehen, welcher auf diesen Artikel linkt. Probiert es aus! Findet ihr das zu riskant? Damit könnte ich schließlich auch so manchen Besucher verschrecken…
Was denkt ihr über Werbeblocker? Wo liegen die Vorteile, wo die Nachteile? Benutzt ihr selbst einen Werbeblocker?
Danke, dass du das Thema hier aufgegriffen hast. Mag die Idee mit dem Hinweis für Werbeblocker.
Hier übrigens das Ergebnis unserer Umfrage zum Thema: http://twtpoll.com/gq20wt
Sieht ja gar nicht so schlecht aus…
André (http://twitter.com/avatter)
P.S.: Der Pearl-Katalog wird wohl eher aus anderen Gründen mitgenommen. Hab unseren jedenfalls an die Schränke der Redaktion als Pinup gehängt.
Ich hab die Umfrage sogar noch im Tab
Ja, allerdings (ich bin wirklich kein Pessimist) denke ich, dass viele den lieben Engel spielen, um ihr Gewissen zu beruhigen
Eine genaue Kontrolle kann es ja nicht geben.
Der Pearl-Katalog ist sowas von süffig
Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag. Ich habe da übrigens eine sehr ähnliche Meinung wie Du und werde dieses Thema bei mir ebenfalls aufgreifen und zur Diskussion bringen
wenn die internetwerbung nicht popups, background-browser fenster, riesige stylesheet overlays und sonstige freche sachen machen würde, die die nutzung und geschwindigkeit jeder webseite runtersetzt würde ich nie auf die idee kommen einen blocker zu benutzen. leider ist das netz fast unbenutzbar geworden ohne blocker.
für ein paar spezielle webseiten die ich nutze, mit werbung nicht übertreiben und unterstützen will, stelle ich ausnahmen ein, mehr kann und will ich da nicht machen.
Einerseits verstehe ich als Blogger, dass jemand über Werbung in seinem Blog was verdienen will, aber andererseits bin ich einfach unendlich genervter User, was Werbung angeht. Wer sich mal mit YSlow oder dem Page Speed Plugin von Google auf die Reise macht und den Seitenaufbau von etablierten und weniger etablierten Websites im Detail ansieht, der wird freiwillig nie mehr ohne AdBlocker unterwegs sein wollen. Einfach weil ich es schlicht gesagt leid bin, dem Browser dabei zuzusehen, wie er Stück für Stück die Website aufbaut und hier und dort noch neu rendern muss, weil da wieder ein Iframe oder ein Layer-Ad, zusätzliches CSS oder JavaScripte oder Flashes oder sonstwas Externes geladen werden muss. Und selbst wenn heute MBit-dicke Verbindungen die Regel sind, heißt das nicht, dass man deswegen gerne unnötig lange auf den Aufbau einer Seite warten möchte. Und solche Werbung ist eben in sehr vielen Fällen einfach die größte Bremse beim Seitenaufbau.
Also ich hab überhaupt nichts gegen Werbung an sich. Aber dann bitteschön selbst integriert, also mit selbst gehosteten Bildern und Code-Snippets und nichts, was “so schön bequem” einfach per Copy&Paste von irgendwelchen Affiliate-Seiten reingestopft wird und das dann in zig weiteren DNS-Lookups und Requests und Wartezeiten resultiert.
So nebenbei: derart selbst gehostete Werbung wird dann ja auch von AdBlocker standardmässig nicht gefiltert, d.h. diese sehe sogar ich! ;o)
Dem muss ich wohl größtenteils zustimmen. Man muss nunmal Grenzen setzen – wenn man erwartet, dass Besucher ihren Werbeblocker für eine bestimmte Seite ausschalten oder überhaupt Besucher ohne Werbeblocker haben möchte, darf man das natürlich nicht ausnutzen und gleich alles mit Werbung vollklatschen.
Bei diesem Blogpost habe ich allerdings zugegeben etwas egoistisch gedacht und meinte hauptsächlich meinen Blog. Und mal ehrlich – außer Google AdSense, was nun wirklich nicht den Aufbau einer Seite großartig aufhält (und dann auch noch dezent gesetzt) ist hier nicht großartig viel, und alles was ich möchte, ist die Hostingkosten wieder reinzukriegen.
Übrigens ist es falsch, dass selbstgehostete Werbung nicht geblockt wird. Es wird nach verschiedenen Kriterien geblockt, so wird mit Sicherheit nichts zugelassen, das in einem Ordner namens “ads” oder so ähnlich abgelegt ist. Genauso werden Banner namens “trigami” geblockt und manchmal erkennt AdBlock eine Grafik ganz einfach, egal wo sie abgelegt ist oder wie sie heißt
Ich bin eigentlich der gleichen Meinung, wie du.
Es ist sehr egoistisch, Werbung zu blockieren und trotzdem etwas haben zu wollen.
Und wenn niemand nachdenkt, was er damit anrichten könnte, wird das wohl noch schlimme Folgen haben.
User wollen Internetseiten. Internetseiten müssen finanziert werden. Die Finanzierung erfolgt durch Werbung. User wollen keine Werbung.
Keine Werbung -> Keine Finanzierung -> keine Internetseiten
Also dann doch besser Werbung annehmen, als dass das Internet kaputt geht.
Ich habe eine ganze Zeit lang auch AdBlock benutzt, weil einige Seiten, auf denen ich gesurft habe, sehr aufdringliche Werbung hatten. Irgendwie geht es auch zu weit, wenn bei jedem 2. Klick ein Popup auftaucht und sich beim Schließen dieses Popups auch noch ein neuer Tab öffnet.
Mittlerweile bin ich auf Opera umgestiegen. Dieser hat einen integrierten Werbeblocker. Damit kann ich nervende Werbung einzeln blockieren.
Sodele, ich halte
1. nichts von dämlichen Blog-Traffic-Gewinnspielen
2. Blogs, welche Themen anderes Blogs wieder und wieder wiederkäuen
3. substanzlosen SEO-Werbekommerzblogs
Und Twitter geht auch garnicht. Sprich, es gibt hier – bis auf den Link zu Dr. Satori – keinerlei Gründe eben dieses Blog zu unterstützen und sei es nur durch Aufnehmen in eine Werbe-Whitlist.
Vielen Dank für deinen Kommentar! =)
Sehr gerne
.
auch wenn das jetzt mal wieder ein kurzer und stupider kommentar ist:
wer werbeblocker benutzt, klickt eh nicht auf werbung, solange sie als solche erkennbar ist. aber aufregen darf man sich natürlich *zwinker*
Da der absolut größte Teil der Blogs, die ich lese, private Blogs sind, dürfte mein Einsatz von Werbeblock-Maßnahmen nicht wirklich von nennenswerter Relevanz sein.
Ich meine, meine privaten Unternehmungen rechne ich ganz bestimmt nicht kaufmännisch durch im Sinne von Hosting-Kosten gegen “re-finanzierende” Reklameeinnahmen. Irgendwo hört m.E. die Kommerzialisierung des eigenen Lebens auf.
Ich habe – bei privaten Blogs – nichts gegen z.B. den einen oder anderen Amazon-Link bei besprochenen Büchern, aber schon Googles Werbetechniken blockiere ich grundsätzlich (vor allem, sofern sie mit Javascript arbeiten, was ich standardmäßig abgeschaltet habe und nur gezielt via “NoScript” zulasse).
Ich ganz persönlich betrachte jedenfalls meine eigene Blog-Schreiberei (2 Blogs) als ein Geben meinerseits und das ist mir die paar Euro-Fuffzich jeden Monat wert (auch wenn ich wahrlich kein Krösus bin).
Und ich freue mich wirklich über jeden gelegentlichen wie auch regelmäßigen Leser, aber ich erwarte nichts in Form irgendeiner Gegenleistung, die mir meine Ausgaben deckt.
Das Problem ist, das es viele Webseiten übertrieben und man vor lauter Werbung den Inhalt suchen musste!
Jetzt sehe ich nur noch den Inhalt und dank Flashblock, langweilt sich die CPU auch noch.
Sicherlich war es eine nette Einnahmequelle, aber diese Zeit ist vorbei!
Der Popup ist ja cool… Wie macht man sowas? Überleg grade ob ich das auf meiner Webside auch einsetze. Aber echt toller Artikel! Wenn du mir den Quellcode gibst, verlink ich den Banner natürlich zu dir
dankeschön für das Angebot
Das nehm ich doch gleich mal wahr =) Das ist soweit ich mich erinnere nichts weiter als ein div, welcher per CSS ein background image bekommen hat (eben die roten Grafiken, die man bei mir sieht) so wie einen absolut positionierten, leeren Link (mit display: block;). Soll ich dir den genauen Quellcode noch dafür geben oder reicht das so? =)
Jetzt hab ich dich extra in den Lesezeichen gespeichert und trotzdem fast vergessen nach einer Antwort zu schauen… Naja, ich werd mal sehen, wo ih es bei mir einbinden kann, da ich selbst praktisch keine Werbung nutze, aber trotzdem Danke!
Und dann rechts die Werbung: SIE HABEN GEWONNEN!
Das ist nicht euer ernst?
Es gibt Werbung und !!!WERBUNG!!! Letztere blocke ich grundsätzlich. Dazu gehören zum Beispiel JS-Layer und Popups. Sie sind einfach zu nervtötend, wenn man “mal kurz was nachsehen” oder “einfach nur surfen” will. Man stelle sich das mal beim Fernsehen vor: man ist am Zappen und auf einmal poppt vor dem IR-Empfänger am TV Gerät ein Werbebanner hoch. Man kann erst weiterzappen, wenn man das Banner weggeklickt hat. Noch dazu über einen X-Button, der das Banner nicht einfach schließt, sondern gleich auch noch den herstellereigenen Kanal aufruft. Darum blocke ich diese Art der Werbung.
In die Website eingebaute Werbung finde ich nicht so penetrant. Diese blocke ich nicht, da ich finde, dass sie zeitweise auch interessante Links beinhaltet.
Also in meinem persönlichen Fall kann sich der Website-Betreiber aussuchen, ob ich die Werbung positiv wahrnehmen oder blocken werde oder eben nicht.